Für Lesebengelinnen: Mädchenmeute

Mädchenmeute. Ein Abenteuerroman für Selbstleserinnen

Ein fantastischer Abenteuerroman für fortgeschrittene Selbstleserinnen ab der 6. Klasse

Kirsten Fuchs

Erschienen: Rowohlt Taschenbuch, 2015

Zum Inhalt

Mädchenmeute ist die Geschichte eines etwas anderen Roadtrips, eines zeitgemäßen Abenteuers. Trotz etwaiger skurriler Momente driftet die Story nie ins märchenhafte oder gar ins Lächerliche ab. Und genau das macht für mich von Anfang an den Reiz aus: dieses Abenteuer hätte sich exakt so zutragen können. Ich hätte als 15jährige Teil der Meute sein können. Und vielleicht sogar sein wollen. Dankbar vergessend, dass es doch nur eine Geschichte ist, klappe ich das Buch zu und denke: wie schön, dass so was heutzutage noch möglich ist.

Alleine im Wald

Die Mädchen schlagen sich zwei Wochen lang alleine im Wald durch. Das funktioniert nur, weil jede Einzelne von ihnen über besondere Fertigkeiten oder Kenntnisse verfügt. Eine schöne Botschaft. Und natürlich funktioniert das Überleben nur durch die Nähe zur Zivilisation, die hierzulande ja nun einmal flächendeckend vorhanden ist, und damit die Möglichkeit des Containerns. Gerade dieser Umstand lässt den Plot real erscheinen. Die Mädchen gehen nicht Jagen oder ernähren sich von Wurzeln, sondern sind weiter von der Zivilisation abhängig.

Abenteuer Handys

Dass die Mädchen ohne Handys unterwegs sind, ist ein genialer Schachzug der Autorin: das ursprünglich geplante Survivalcamp verbietet Smartphones. Die einzig logische Erklärung, dass keines der Mädchen Telefon dabei hat. Und gleichzeitig die einzige Möglichkeit, eine größtmögliche Distanz zwischen Gruppe Zivilisation herzustellen.

Die Mädchen

Die Charaktere sind wunderbar beschrieben. Es gibt Figuren, die wir alle aus unserem Alltag kennen. Beispielsweise die schöne Yvette, die kleine Antonia oder die alberne Rieke. Ich würde mal behaupten, dass diese Charaktere standardmäßig in jeder Clique oder Klasse vorkommen. Aber Kirsten Fuchs, wäre nicht ein solcher, wenn sie ihr Personal nicht mit einer gehörigen Portion Absurdität würzen würde. So kommen wir in den Genuss Freigunda und Anuschka kennenzulernen. Beide wirken, wie aus der Zeit gefallen. Ihre Herkunft erklärt ihr Verhalten, ihr Wissen und ihre Charakterzüge aber schlüssig.

Bea ist nach der Ich-Erzählerin die zweite Hauptfigur. Ein Mädchen, vermeintlich so stark, dass sich jeder sie gerne als Freundin an der Seite wünschen würde. So auch Charly, die Erzählerin und vermeintlich schwächste, bzw. stillste und schüchternste der Mädchen. Zum Ende hin, macht sie aber eine fantastische Wandlung durch, die der letzte Satz des Buches perfekt beschreibt: „Und als ich dachte, ich würde nicht mehr wachsen, da wuchs ich noch ein Stück.“

Die erste Liebe und eine Leiche

Dass Charly sich zwischenzeitlich fragt, ob sie vielleicht Bea verliebt ist, beschreibt das Gefühlschaos der Pubertät sehr schön. Der erste Kuss darf in einem Teenie-Roman natürlich auch nicht fehlen. Und wie wunderbar und realistisch, dass das erste Verliebtsein nicht unbedingt in einer jahrelangen Beziehung mündet.

Dass im letzten Drittel noch ein Kriminalfall eingeführt und gelöst wird macht das Abenteuer komplett ohne es zu überfrachten. Wobei die Geschichte sicherlich auch ohne das Skelett im Tunnel funktioniert hätte.

Die Autorin schreibt in einer wunderbar simplen und dennoch irgendwie bunten Art und Weise, mit herrlichen Worterfindungen und wahnsinnig einleuchtender Bildsprache.

So ist ein verrückter und doch realistischer Abenteuerroman für fortgeschrittene Selbstleserinnen entstanden, den ich jeder Lesebengelin sehr ans Herz legen möchte.

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