Opapi-Opapa

Cover Opapi Opapa mit Guitarre

Opapi-Opapa: tolle Bilderbuchgeschichte für den kleinen Lesehunger zwischendurch

Von: Paul McCartney (DER Paul McCartney)

Illustrationen: Kathryn Durst

Erschienen: Annette Betz in der Ueberreuter Verlang GmbH, Berlin 2019

Übersetzung: Judith Holofernes (DIE Judith Holofernes) und Cornelia Holfelder von der Tann

Zum Inhalt:

Die Krawaffels zu Besuch bei Opapi-Opapa

Lucy, Tom, Em und Bob sind zu Besuch bei ihrem Großvater, den sie liebevoll Opapa nennen. Er wiederum nennt seine Enkel die Krawaffels. Es ist ein regnerischer Tag und irgendwie ist alles öde und doof.

Doch mit Opapa kann es gar nicht langweilig sein. Und so holt er einen Stapel Postkarten und einen Kompass mit magischen Kräften hervor. Er schwenkt den Kompass über einer Karte aus der Südsee.

„Dreht die Nadel sich im Kreise, geht es los auf Zauberreise!“

Opapi-Opapa mit Postkarten und magischem Kompass
Opapi-Opapa mit Postkarten und magischem Kompass

Die Krawaffels landen am Strand, baden, toben und reiten auf fliegenden Fischen. Doch plötzlich wird eines der Kinder von einem Krebs gekniffen. Auf einmal wimmelt es nur so von Krebsen am Strand, die garstig mit ihren Scheren klappern.

„Können wir nicht wohin, wo es ein bisschen weniger…“ „…zwickig ist?“ Schnell schwenkt Opapa den Kompass über der nächsten Postkarte und die fünf landen im wilden Westen. Gemeinsam mit einem Cowboy galoppieren sie durch die Prärie, bis auf einmal eine Büffelherde auf sie zu walzt.

„Können wir vielleicht wohin, wo es ein bisschen weniger…“ „…büffelig ist?“ Mit Kompass und Postkarte geht es hoch hinauf in die Alpen. In Gesellschaft netter Kühe gibt es ein leckeres Picknick auf der Alm bis, wie aus dem Nichts, eine Lawine auf sie zu rollt. In letzter Sekunde können sie entkommen.

„Können wir vielleicht wohin, wo es ein bisschen…“ „…kuscheliger ist?“ Einmal noch dreht sich die Kompassnadel, dann ist es Zeit zum Schlafengehen. Die Krawaffels und Opapa sind sicher zu Hause gelandet und gehen ins Bett.

Die Illustrationen:

Das Buch ist reich an farbenfrohen Bildern. Auf jeder Seite gibt es für Vorleser und Zuhörer viel zu entdecken. Die Krawaffels und anderen Figuren wirken lustig, freundlich und kindgerecht. Die Köpfe der Kinder sind etwas überproportioniert im Verhältnis zu ihren Körpern. Das könnte den Effekt haben, dass es den kleinen Zuhörern und Bildanguckern leichter fällt, Emotionen zu erkennen.

Die Krawaffels.
Die Krawaffels

Opapa sieht genauso aus, wie man sich einen Opa wünschen würde, wenn man keinen hätte: graue Haare, grauer Bart, ein freundliches Gesicht und – ein Hut. Ein Ebenbild Paul McCartneys ist er (leider?) nicht.

Die wechselnde Ausstattung der Figuren, wie zum Beispiel Cowboyhüte, Gitarre usw., bietet Anlass zu Gesprächen abseits der eigentlich vorgelesenen Geschichte.

Opapi-Opapa und die Krawaffels im wilden Westen
Im wilden Westen

Fazit und Moral von der Geschicht´:

Ein Enkel hatte die Idee

Im Original lautet der Titel des Buches „Hey, Grandude“. Laut Autor sprach ihn eines Tages einer seiner Enkel so an. Natürlich erinnert der Titel auch an den Beatles-Hit „Hey Jude“, den Paul McCartney 1968 schrieb. Irgendwie wären wir doch auch enttäuscht, wenn nicht ein bisschen Rock´n´Roll im ersten Kinderbuch eines der berühmtesten Musikern aller Zeiten vorkäme.

Das fanden wohl auch die beiden Übersetzerinnen Judith Holofernes und Cornelia Holfelder von der Tann, Mutter und Tochter übrigens, die vor der Herausforderung standen, einen adäquaten Titel zu finden, der eben auch auf Deutsch funktioniert und eine kleine Hommage an die Beatles ist.

Opapi-Opapa, Englisch, Deutsch, Yoruba

Opapi-Opapa war die Lösung. Eine ziemlich geniale, wie ich finde. Dieser Titel spielt zum einen auf den Nummer Eins Hit (Deutschland) „Obladi Oblada“ aus dem Jahre 1969 an, der ebenfalls von Paul McCartney komponiert wurde. Zum anderen wird Opapi-Opapa sehr stimmig in den Text des Buches integriert, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Manchmal sind Worte, auch (oder gerade) wenn sie erfunden sind, wahre Glücksgriffe.

Ähnlich ist es mit der Übersetzung der Enkel-Bande, die in der englischen Ausgabe „Chillers“ heißen. Das Übersetzer-Gespann spendierte dafür einen familieninternen Begriff, nämlich die „Krawaffels“ (https://www.judith-holofernes.de/2019/05/paulmccartney/).

Opapi-Opapa und seine Krawaffels in den Alpen
In den Alpen

Übrigens: Mehreren Internetquellen (die alle unabhängig voneinander abgeschrieben haben) zufolge, stammt die Redensart Obladi Oblada aus der nigerianischen Sprache Yoruba und bedeutet so viel wie „es kommt, wie es kommt“.

Alles in Allem ist die Übersetzung sehr gelungen und trägt maßgeblich zum Lesevergnügen bei. Der Text ist leicht verständlich und schön in die Bilder eingearbeitet. Die Fantasiewörter (z.B. kneifig oder büffelig) sind genau nach dem Geschmack der Kinder.

Ein gelungenes Bilderbuch-Debüt

Die Handlung ist abenteuerlich und kommt nach einem steilen Spannungsbogen zu einem wunderbar kuscheligen Ende. Ganz nach dem Motto: zu Hause ist es doch am schönsten. Und am sichersten.

Eine Botschaft, die alle abenteuerlustigen Kinder am Ende eines aufregenden Tages gut verstehen.

Schlafenszeit für die Krawaffels
Schlafenszeit für die Krawaffels

Außerdem liefert der Autor spielend leicht den Beweis, dass selbst der mieseste und langweiligste Tag zu einer wilden Welt- und Zeitreise werden kann. Mit solch einem Opa sowieso.

Dieses Buch ist so vieles. Es ist ein ganz tolles Bilderbuch, was schon den Kleinsten gefällt (mein Eineinhalbjähriger blättert es zumindest wieder und wieder durch). Es ist, dank des wohligen Endes, auf jeden Fall auch als Gute-Nacht-Geschichte geeignet. Nicht zuletzt ist es eine Geschichte für Enkel und ihre Großväter (die in ihrer Jugend vielleicht selbst die Beatles rauf und runter gehört haben und sich durch dieses Buch dezent an die vergangene Ära des Rock´n´Roll erinnert fühlen).

Somit spreche ich eine klare Empfehlung für kleine Lesebengel, große Großväter und natürlich alle Beatle-Fans aus.

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